Die Kleinschelker Schule

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Die Schule in Kleinschelken heute

Zeittafel zur Entwicklung

der sächsischen Schule in Kleinschelken

von Hans Gerhard Pauer

 

 

1388

„Nicolaus plebanus de Schadschelkin“ (Schadschelkin = Kleinschelken) wird unter den ersten Siebenbürger Sachsen an der Universität Wien immatrikuliert. Das ist der beste Beleg für die hohe Qualität der Kleinschelker Schule bereits im 14. Jahrhundert.

 

1414

Der älteste namentlich bekannte Schulmeister innerhalb der Zwei Stühle war „Petrus rector scholarium de Schelk minori“ (Petrus, Rektor der Schule von Kleinschelken), der 1414 anlässlich einer Zeugenaussage über die Zehntverhältnisse im Schelker Kapitel erwähnt wird.

 

1420-1428

Aus Urkunden der Jahre 1420-1428 kennen wir den Magister „Petrus Ungelter de Schelk minori“, der als öffentlicher Notar sowie als Notar der Stühle Mediasch und Schelk wirkte. Auch er hatte seine Grundbildung an der Schule in Kleinschelken erhalten.

 

1430

Im Jahr 1430 wurden zwei Studenten aus Kleinschelken an der Universität Wien eingeschrieben, weitere in den Jahren 1468 und 1474, während 1471 der erste Kleinschelker an der Universität Krakau studierte.

 

1504

1504 wurde Antonius de Schelk minori in Krakau und 1520 Benedictus de Cleinschelk in Wien an der Universität immatrikuliert. Sie waren vorher Schüler an der Kleinschelker Schule.

 

1550

Zwischen 1550 und 1592 wurden fünf gebürtige Kleinschelker (Thomas Kysselkensis und Thomas Kysselkensis junior 1550, Servatius Kyrtscher Kisselkensis 1559, Georgius Jacobi 1560, Caspar Kischelkensis 1592) in die oberste Klasse des Honterusgymnasiums eingeschrieben, die den Grundstein ihrer Bildung ebenfalls in der Schule ihres Heimatortes mitbekommen hatten.

 

1581

Michael Hann oder Honn aus Kleinschelken, wird am 29. Januar 1581 zum Provinzialnotar in Hermannstadt gewählt und behält dieses wichtige Amt bis zu seinem Tode, am 8. März 1595. Auch dieses Amt setzte eine höhere Schulbildung voraus.

 

1588

Die Zahl der im Ausland studierenden Kleinschelker bleibt auch in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts hoch und ist nur durch die Qualität der Schule zu erklären. Als Beispiel führen wir Georgius Schuler (1588) und Franciscus Emerici (1599) an, die die 1506 gegründete Universität Frankfurt an der Oder besuchten.

 

1599

Ebenfalls in Hermannstadt wird am 14. Januar 1599 Benedictus Schelkensis aus Kleinschelken zum Stadthannen gewählt und behält dieses Amt bis zum 3. April 1601.

 

 

1604

Petrus Schelker aus Kleinschelken bekleidet das Amt des Stadthannen in Hermannstadt zwischen 1604 und 1606. Der gleiche Petrus Schelker bekleidet zwischen 1612 und 1615 das wichtige Amt des Stuhlsrichters im Hermannstädter Stuhl.

Volksschullehrer an der Kleinschelker Schule im 17. Jahrhundert

 

Lehrer, Prediger und Pfarrer aus Kleinschelken im 17. Jahrhundert,

die außerhalb ihres Geburtsortes wirkten

1722

In der in diesem Jahr erlassenen Verfügung der Evangelischen Kirche „Zur Auferziehung der lieben Jugend und zur besseren Einrichtung der Schulen“ steht der bedeutungsvolle Satz: „Alle Kinder, beyderley Geschlechts, in Städten und Dörffern mit obrigkeitlichem Befehl zur Schule anzuhalten, daß sie lesen, schreiben und den Catechism us lernen“ Es ist der erste Hinweis, dass die Schulpflicht auch für Mädchen galt.

1850

In der Zeichnung von 1850 ist das älteste Gebäude der Kleinschelker Schule zu erkennen, das aus dem 16. Jahrhundert stammt.

Martin Schlichting: Skizze der Kleinschelker Kirchenburg um 1850 (1 Alte Schule) 

1863

1863 werden in Kleinschelken 166 Schüler gezählt, davon 88 Jungen und 78 Mädchen, die von 5 hauptberuflichen Lehrern und dem Prediger unterrichtet werden, von denen drei (Martin Rienerth, Johann Kepp, Matthias Mellmer) das Lehrerseminar abgeschlossen hatten.

 

1877

Am Freitag, dem 3. August 1877, traf der Bischof Georg Daniel Teutsch in Kleinschelken ein, wo er am Dorfrand von einer in Trachten gekleideten Reiterschar empfangen wurde. Er fand im Ort eine dreiklassige Volksschule vor, wie es sie nur in 5 der 31 Gemeinden des Schelker Kapitels gab. Die Schule wurde von dem bewährten Rektor Martin Rienerth geleitet, der von drei weiteren Kollegen (Georg Kiertscher, Johann Auner, Wilhelm Kepp) unterstützt wurde.

 

1909

Aus einer Eintragung im Kirchengedenkbuch von 1909 erfahren wir, dass die im Visitationsbericht genannten „zwei Schulhäuser“ am Nordrand des Marktplatzes auf dem „Fleischerhof“ (Spitzname „Text“) unter den Hausnummern 124 und 125 standen. 

 

1910

Die Leitung der Gemeinde beauftragt den Schäßburger Stadtingenieuer Orendi mit den Planungen für den Bau einer sechsklassigen Volksschule, eines kirchlichen Gemeindesaals und eines Lehrerwohnhauses.

 

1911

Im Frühjahr des Jahres 1911 wurde das alte Schulgebäude und das Gebäude auf dem „Fleischerhof“ von den Nachbarschaften in Gemeinschaftsarbeit abgetragen. Am 12. April des gleichen Jahres wurden die einzelnen Aufträge an die Handwerker vergeben; die Maurerarbeiten an R. Frick, die Tischlerarbeiten an Karl Salmen (Salmen war in Kleinschelken geboren und hatte in Mediasch eine Möbelfabrik gegründet), der Dachstuhl an Johann Graeser, alles Handwerker aus Mediasch.

 

1912

Am 13. Oktober 1912 erfolgte die Schulweihe, die vom Bezirksdechanten Martin Müller aus Marktschelken durchgeführt wurde und in Kleinschelken ein neues Kapitel in der deutschsprachigen Schulgeschichte eröffnete, das erst durch die Massenabwanderung der sächsischen Bevölkerung in die Bundesrepublik Deutschland nach 1989 sein trauriges Ende fand.

 

1933

Im Oktober 1933 wurde die Evangelische Deutsche Volksschule in Kleinschelken sogar vom amtierenden rumänischen Unterrichtsminister Dimitrie Gusti (1880-1955) besucht. Die Kirchenleitung berichtet dazu: „Herr Unterrichtsminister Dr. Gusti besuchte unsere Schule, nahm klassenweise Einblick in ihre Arbeit und sprach seine volle Zufriedenheit aus.“

 

1941

Nach der Entscheidung des Landeskonsistoriums der evangelischen Kirche vom 7. November 1941, sich dem Druck der nationalsozialistischen Volksgruppe zu beugen und das kirchliche Schulwesen an diese zu übergeben, gingen auch die Kleinschelker Schulgebäude mit dem gesamten Schulvermögen in den Besitz der Volkgruppe über. Der Hitlergruß wurde zur Pflicht.

 

1945

Nach Kriegsende kehrte auch die Kleinschelker Volksschule von 1945 bis 1948 wieder in die Obhut des Landeskonsistoriums zurück. Die völkischen Elemente im Unterricht verschwanden genau so schnell wie sie Einzug gehalten hatten, der Hitlergruß wurde von den verunsicherten Lehrern sofort verboten und man kehrte zu den alten, traditionellen Werten und Begriffen zurück.

Aufteilung der Lehrer an der Deutschen Evangelischen Volksschule nach Jahrgängen (1942-1948)

1948

Am 3. August 1948 wurde die Evangelische Deutsche Volksschule in Kleinschelken

vom rumänischen kommunistischen Staat übernommen.

Aufteilung der Lehrer an der staatlichen Elementarschule

mit deutscher Unterrichtssprache nach Jahrgängen (1948-1959)

Aufteilung der Lehrer an der staatlichen 7jährigen Schule

mit rumänischer und deutscher Sektion

1981

Zu Beginn des Schuljahres 1981 zählte die Kleinschelker Schule 255 Schülerinnen und Schüler in zwei Abteilungen, einer deutschen und einer rumänischen. 147 davon werden an der deutschen Abteilung gezählt, wo alle Fächer, bis auf die rumänische Sprache und Literatur, in deutscher Sprache unterrichtet wurden. Schuldirektor Hans Mai leitete ein Kollegium von 25 Lehrkräften, von denen 15 an der deutschen Abteilung unterrichteten.

 

1990

Die massive Auswanderung der Kleinschelker Sachsen nach dem Umbruch des Jahres 1990 beendete die beeindruckende Tradition der deutschen Schule und führte zur vollständigen Auflösung der deutschen Abteilung, weil keine Kinder mehr da waren.

Das Lehrerkollegium der Kleinschelker Schule im Jahr 1976

Von oben links: Elisabeta Ker (Rumänisch), Maria Stefani (Mathematik), Katharina Weiss (Sekretärin), Karin Lang (Physik), Peter Jikeli (Kl. I-IV), Hans Weiss (Kl. I-IV), Hans Mai (Chemie), Katharina Huber (Sport, Deutsch), Hans Speri (Geschichte, Geographie), Dieter Huber (Schulleiter, Musik), Heinrich Buchholzer (Kl. I-IV), Eva Orban (Geschichte, Geographie an der rum. Abteilung), Katharina Ramser (Biologie), Alexandra Murzea (Biologie an der rum. Abteilung), Sofia Irimie (Rumänisch an der rum. Abteilung), Elena Ruja (Französisch), Gerda Jikeli (Kl. I-IV)

Die Väter bereiten das Holzsägen für die Heizung

der Klassenräume vor (1947)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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