Die Kirchenburg

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INFORMATIONEN ZUR RENOVIERUNG 

 

Die Projektanfrage zur Renovierung unserer Kirchenburg startete im Oktober 2014 und hielt bis 2015 an.

Die darauffolgende Projektphase erstreckte sich über drei Jahre von 2016-2018.

Im Jahr 2019 kam es dann zur Projekt-Ausschreibung. Am 26.04.2021 war es endlich so weit 

und die Umsetzung des Projekts "Renovierung der Kirchenburg" hat begonnen.

 

Die Dränage-Arbeiten an der Kirche haben im Oktober 2021 angefangen.

Über weitere Schritte, die noch folgen, wird berichtet. 

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Die Kleinschelker Kirchenburg

Text und Bildmaterial von Hans Gerhard Pauer (Bahnofstr. 3, 51399 Burscheid) 
 

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Obwohl keine urkundlichen Nachrichten vorliegen, kann man davon ausgehen, dass der Ort, wie viele andere sächsische Siedlungen dieser Zeit, schon sehr früh einen hölzernen Kultbau besessen hat, der wahrscheinlich im 14. Jahrhundert mit Erdwällen und Palisaden befestigt wurde.

 

(Südansicht der Kleinschelker Kirchenburg von 1908)

Die erste Bauphase (1350-1463)

 

Um die Mitte des 14. Jahrhunderts besaß der inzwischen stark angewachsene Ort eine beträchtliche wirtschaftliche Macht, so dass mit den Bauarbeiten an einem Steinbau begonnen werden konnte. In mehreren Etappen entstanden der Chor und die Schiffe, wobei sich die Arbeiten bis ins 15. Jahrhundert hinzogen. In einer Urkunde vom 30. Juni 1414 wird die Kirche zum ersten Mal als „ecclesia sanctae Katherinae de Schelk minori" (Kirche der Heiligen Katharina von Kleinschelken) zusammen mit ihrem Pfarrer Georg erwähnt. Dadurch, dass sie der Heiligen Katharina geweiht war, weicht ihre Orientierung von der westöstlichen Richtung um 28 Grad nach Südosten ab. Die Kirche wurde scheinbar so angelegt, dass ihre Längsachse in der Verlängerung genau auf den Punkt am Horizont gerichtet ist, der den Sonnenaufgang am Namenstag der Heiligen Katharina (25. November) markiert. 

Die zweite Bauphase (1463-1523)

Die Wehrbarmachung der Kirche und der Bau der ersten Ringmauer

Es ist im Einzelnen nicht bekannt, ob und wie Kleinschelken von dem großen Türkeneinfall in das Gebiet der Zwei Stühle im Jahre 1438 heimgesucht wurde. Fest steht jedoch, dass dieses Ereignis mit der Errichtung des inneren Berings der Kirchenburg in Verbindung steht, durch den die alten Palisadenwälle ersetzt wurden. Die ovale Form ihres Grundrisses zeigt, dass die innere Ringmauer wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet wurde. Der alte Bergfried wurde in den Mauerring einbezogen, und in seiner unmittelbaren Nähe errichtete man einen Torturm mit zwei steinernen Geschossen über der Toreinfahrt. Der untere Teil der etwa 8 m hohen Mauer wurde mit Rundbogenarkaden verstärkt, die einen flach gedeckten Wehrgang mit Holzbrüstung trugen. Von diesem Wehrgang aus konnte man die in hohen Nischen liegenden Schießscharten des oberen Mauerteils erreichen. Leider ist von der inneren Ringmauer, außer den drei Türmen und einem Reststück im südlichen Bereich, nichts mehr erhalten geblieben. Die Mauer musste um die Mitte des 19. Jahrhunderts der Absicht weichen, ein neues Kirchenverwaltungsgebäude zu bauen, dem auch der innere Torturm zum Opfer fiel. 

Die dritte Bauphase (1523-1600)

Während der ältesten erhalten gebliebenen Volkszählung der „Zwei-Stühle“ Mediasch und Schelk im Jahre 1516, zählte man in Kleinschelken 129 „hospites“ (Gäste=Wirte), 14 Witwen, 3 Hirten und einen Müller. Multipliziert man nun die Zahl der Wirte mit 4,5 (geschätzte Zahl der Familienmitglieder), so ergibt das eine Bevölkerung von etwa 600 Einwohnern. Damit war Kleinschelken die größte Gemeinde des „Unteren Stuhles“, gefolgt von Wurmloch (95 Wirte), Marktschelken (62) und Frauendorf (61). Da unter diesen Umständen der Burghof zu klein wurde, begann man um die Mitte des 16. Jahrhunderts mit den Erweiterungsarbeiten und errichtete in 10 -12 m Abstand von der ersten Ringmauer einen zweiten Mauergürtel. Er umschloss eine Gesamtfläche von etwa 5000 Quadratmetern, so dass die befestigte Fläche etwa 1000 Menschen Schutz bieten konnte. Zur neuen Ringmauer gehörte nur ein dreigeschossiger Torturm, der im Westen, wo heute das Rathaus steht, errichtet wurde. Dieser Torturm, der um die Mitte des 19. Jahrhunderts abgerissen wurde, soll nach einer Zeichnung des österreichischen Offiziers Schlichting auch eine Zugbrücke besessen haben.

Die Umbauten vom 17. bis ins 19. Jh. (1630 - 1860)

 

Im 17. Jahrhundert wird der baufällige Nordturm der inneren Ringmauer auf fünfeckigem Grundriss neu aufgebaut. Der Turm besteht aus drei Geschossen und einem flachen Pultdach, das in Richtung Burghof abfällt. Die Vorder- und Seitenwände sind mit Schießscharten versehen. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts finden an der Kleinschelker Kirche umfangreiche Umbauten statt, die das Aussehen der gotischen Basilika grundlegend verändern. Um den Kirchenraum für die inzwischen weiter angewachsene Bevölkerung zu vergrößern, werden die Längswände der Seitenschiffe auf das Niveau des Mittelschiffes erhöht. Durch die Errichtung von Emporen über den beiden Seitenschiffen wird zusätzlicher Raum geschaffen, der den Jugendlichen des Dorfes zugewiesen wurde. Die Wände der erhöhten Seitenschiffe erhalten rundbogige Fenster. Die letzte Phase der Umbauten an der Kleinschelker Kirchenburg begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und führte zu einer, für das Gesamtbild dieser Verteidigungsanlage, nachteiligen Veränderung. Im Jahre 1825 wurde das pyramidenförmige Dach des alten „Bergfrieds“, im Westen des inneren Mauerrings, abgetragen. Über den beiden Stockwerken dieses Turmes errichtete man zwei weitere sehr hohe Geschosse von 4 und 7 m, die den steinernen Unterbau auf das doppelte erhöhten. So entstand ein ganz modern anmutender Turm von etwa 43 m Höhe, der leider in scharfem Gegensatz zu dem Ernst und der Würde der Gesamtanlage steht.

Das Taufbecken

Obwohl die meisten Dorfkirchen in Siebenbürgen kunstlose Bedürfnisbauten waren, bei denen mehr auf Wehrfähigkeit als auf Schmuck geachtet wurde, sind in Kleinschelken doch einige bedeutende Kunstwerke erhalten geblieben. Das Kleinschelker Taufbecken aus dem Jahre 1477, mit seinen kunstvoll ausgearbeiteten Verzierungen und seiner vollendeten Form, gehört auf jeden Fall zu ihnen. Der Inhaber der Gusshütte - ein Meister Leonardus - wird auf dem Hermannstädter Taufbecken von 1438 namentlich genannt, so dass man davon ausgehen kann, dass das Kleinschelker Becken als das jüngere, dem Hermannstädter nachgebildet wurde und in der Gusshütte des gleichen Leonardus von einem seiner Schüler gegossen worden ist.

Der früher über der Altarkredenz an der Chorsüdseite befestigte „Alte Altar“ gehört zu den gotischen Flügelaltären des 17. Jahrhunderts. Nach einer Aufzeichnung aus dem Kleinschelker Gedenkbuch stammt dieser Altar, dessen Mittelbild verloren gegangen ist, aus dem Jahre 1665. Auf der Vorderseite der beweglichen Flügel sind folgende biblische Szenen zu sehen: Die Dornenkrönung, die Auferstehung Christi, die Geißelung und Vorbereitung der Kreuzigung in Begleitung erläuternder lateinischer Inschriften. Werden die Flügel geschlossen, so erkennt man auf der Außenseite die in acht Gemälden dargestellte Passion Christi. Durch die Feuchtigkeit der südlichen Chormauer haben diese in roher Technik und ohne großes künstlerisches Können gemalten Bilder sehr gelitten. An vielen Stellen ist die Farbe abgebröckelt und der hölzerne Untergrund gespalten. Auf barocke Verzierungen hat man an diesem Altar verzichtet, woraus hervorgeht, dass sich der nicht zu den großen Künstlern gehörende Erbauer keine andere Aufgabe gestellt hatte, als die, das Vorbild eines alten gotischen Doppelflügelaltars zu kopieren. Der Altar wurde nach der rumänischen Revolution, in den 90er Jahren, aus der Kirche gestohlen und ist bis heute nicht mehr aufgetaucht.

(Der gotische Flügelaltar aus dem Jahr 1665)

Der Grabstein des Kleinschelker Pfarrers

 Michael Oltardt (1573 - 1623)

Der „Neue Altar“

Der gegenwärtig vor der Chorrückwand stehende „Neue Altar“ gehört zu den Barockaltären des 18. Jahrhunderts. Nach einer Aufzeichnung im Protokollbuch der Niedergässer Nachbarschaft wurde dieser Altar im Jahre 1763 errichtet. Auf einem schweren Gesimse befinden sich vier hölzerne Säulen mit barocken Verzierungen. Die beiden inneren Säulen begrenzen das große Altarbild, das den gekreuzigten Christus zeigt, zu dessen Füßen Maria und Johannes knien. Der Maler dieses Bildes gehörte ebenfalls nicht zu den großen Künstlern seiner Zeit, denn die Details sind stümperhaft ausgeführt (z.B. die Zeichnung der Handflächen), während die Proportionen der Körper nicht im richtigen Verhältnis zueinander stehen. Die Farben haben ihre Leuchtkraft verloren, so dass viele Einzelheiten durch den fehlenden Kontrast nicht mehr erkennbar sind. Der Altar endet in einem spitzen Giebel, an dem eine aus Holz verfertigte Sonne befestigt ist.

Die Orgel

Die erste Orgel der Kleinschelker Kirche stammt aus dem Jahr 1790 und wurde vom Kronstädter Orgelbauer Karl Einschenk hergestellt. Um ihr einen zweckmäßigen Platz zu schaffen, errichtete man schon zwei Jahre vorher (1788) an der Westwand des Mittelschiffes eine Orgelempore. Im Jahr 1911 wurde diese baufällige und veraltete Orgel von Grund auf umgebaut und erneuert. Von der ersten Konstruktion wurden nur ein Teil des Gehäuses und ein kleiner Teil der Orgelpfeifen übernommen. Zwischen 1960 - 1970 wurde sie mit einem mechanischen Gebläse ausgestattet, das den manuell betriebenen Blasebalg ablöste. 

Erwähnenswert sind noch die vier Glocken, von denen die älteste aus dem Jahre 1556 stammt und auf dem „Alten Glockenturm“ untergebracht ist. Die drei Glocken des „Neuen Turms“ stammen aus dem 20. Jahrhundert (die kleine Glocke aus dem Jahr 1922, die mittlere aus dem Jahr 1928 und die große aus dem Jahr 1931) und sind heute alle in Betrieb. Die große Glocke ist eine Stiftung des Kleinschelker Frauenvereins und der nach Amerika ausgewanderten Landsleute.

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Dieser an der südlichen Chorwand der Kirche befestigte Grabstein gehört zu den Einzelerscheinungen in der siebenbürgischen Plastik. Michael Oltardt entstammt einer Hermannstädter Patrizierfamilie, deren Begründer sich noch Scheerer nannte, was daraufhin weist, dass einer seiner Vorfahren Barbier gewesen ist. Der Grabstein gibt das Bild des Pfarrers in Reliefform wieder, wobei das besondere darin besteht, dass dieses Relief ausgefärbt und vergoldet wurde. Oltardt ist als Toter abgebildet, neben dessen Kopf auf der linken Seite ein Kelch (Sinnbild des Erlösers) und auf der rechten Seite eine Bibel liegen. Der Pfarrer ist mit einem Talar bekleidet, der schwarz ausgefärbt wurde und über seinem Kopf schwebt in Form einer Taube mit ausgebreiteten Flügeln der Heilige Geist Gottes zu ihm herab. Beide Hände sind über der Brust gefaltet und umklammern ein Gesangbuch oder eine Bibel. 

Eine ebenfalls vergoldete Inschrift umrandet den Grabstein und hat in der Übersetzung folgenden Wortlaut: „Beerdigt unter diesem Hügel liegt der ehrwürdige Herr Michael Oltardt von Hermannstadt, einst recht treuer Pfarrer dieser Kirche durch zwanzig Jahre hindurch, er starb im Jahre des Heils 1623, am 2. August, im Alter von 50 Jahren“.

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